Frühgeschichte der sakralen Blechblasmusik

Posaunenchöre in der heutigen Form gibt es zwar erst seit knapp 170 Jahren, doch die Verwendung von Blechblasinstrumenten in der sakralen Musik gibt es bereits seit vorchristlicher Zeit. Nachfolgend ein Überblick über die verschiedenen Epochen:


In der Bibel

Auch wenn Trompeten und Posaunen bereits im Alten Testament Erwähnung finden, darf man sich nicht die heutigen Instrumente darunter vorstellen. Es gab aber im Judentum ähnliche Instrumente: Hazozra (auch Chazozra), eine Art Trompete aus kostbarem Metall, normalerweise aus Silber. Es wurde von Priestern bei Opfer- und Krönungszeremonien verwendet. Bekannter ist der Schofar, auch Hallposaune genannt. Das aus Widder- oder Kuduhorn gefertigte Instrument hat seinen Ursprung in der jüdischen Religion und dient vor allem rituellen Zwecken. Beide Instrumente werden wie die heutigen Blechblasinstrumente angeblasen und gehören somit zu den Aerophonen.

Als Martin Luther die Bibel in die deutsche Sprache übersetzte, übernahm er die damaligen bekannteren Bezeichnungen Trompete und Posaune (wie er u.a. auch aus dem Klippschliefer einen Dachs machte).

Die Schriften des Neuen Testaments enthalten nur sehr spärliche Angaben zum Thema Musik und noch weniger zu möglicherweise verwendeten Musikinstrumenten. Eine Ausnahme findet sich in 1. Korinther 14, hier bezieht sich Paulus im Rahmen einer geistlichen Belehrung zwar auf einige Musikinstrumente, über eine Verwendung z.B. im Gottesdienst schweigt er aber.

Eine folgenschwere Bewertung nahm der Kirchenvater Johannes Chrysostomos im 4. Jahrhundert beim Kommentieren der Paulusbriefe vor. Er empfiehlt der christlichen Familie zwar das Singen „heiliger Lieder“ nach den Mahlzeiten, erklärt die Benutzung von Instrumenten aber für überflüssig.


Mittelalter bis frühe Neuzeit

Im frühen 16. Jahrhundert sind Posaunenensembles auf Bildquellen dokumentiert. Gegen 1500 schreibt der Posaunist Giovanni Aloixe in Briefen über die Einrichtung von Motetten für Bläser. Er berichtet über die Zusammenstellung von fünf Posaunen sowie über die Kombination von vier Posaunen mit zwei Cornetten und vier Posaunen mit vier Schalmeien.

1618 beschreibt Michael Praetorius in seinem Syntagma Musicum einen „Posaunen Chor“. Er erwähnt eine Alt- oder Diskantposaune in F, die Gemeine rechte Posaun in B, die Quartposaune sowie eine Oktavposaune. Er gibt Besetzungshinweise für das Zusammenwirken mit Singstimmen, Fagotten, Zinken, Streichern und Blockflöten. Das chorische Posaunenspiel wurde bis 1750 fast ausschließlich von Stadtpfeifern gepflegt. Friedrich Erhard Niedt bemerkt in seiner Musicalischen Handleitung 1721, dass die Posaune Kunstpfeifern, aber sonst wenig bekannt sei.

Trompeten und Posaunen waren in Renaissance und Barock getrennte Instrumentengruppen, deren Verbindung nur gelegentlich gefordert wird (u. a. bei Johann Heinrich Schmelzer und Andreas Hammerschmidt). Dis Diskant- bzw. Oberstimme der professionellen Posaunenensembles wurde häufig mit einem Zink oder auch einer Blockflöte ausgeführt. Bei Trompetenensembles wurde die tiefe Lage durch Pauken ergänzt. Die Lautstärke der Trompeten wurde in der Kirche teilweise kritisch gesehen. Michael Praetorius empfahl beim Zusammenwirken von Kantorei und Trompeten, letztere außerhalb der Kirche aufzustellen. Die engmensurierten Posaunen dienten neben dem Spiel der Intraden auch der Begleitung der Vokalmusik. Bach ließ in einigen Kantaten die Chorstimmen durch Posaunen verdoppeln, so z. B. in BWV 4, BWV 38 und BWV 68. Noch bei den Salzburger Messen von Wolfgang Amadeus Mozart sind sie zur Unterstützung der tieferen Chorstimmen vorgesehen.


Vorläufer der Posaunenchöre

Mit der Einführung und steten Verbesserung der Ventile im Blechblasinstrumentenbau entstanden in Europa vielfältige Musikvereinigungen von Amateuren. Neben gemischten Blasorchestern wurde auch in reiner Blechbesetzung gespielt. Die Posaunen traten durch die Besetzung mit Trompeten und den Instrumenten der Bügelhornfamilie etwas in den Hintergrund.

Erste Vorläufer von Posaunenchören gab es im 18. Jahrhundert in der Herrnhuter Brüdergemeine in der Oberlausitz:

  • Fünf musikbegeisterte Bürger, Häusler und Weber der protestantischen Gemeinde Walddorf kauften 1766 einen „Chor Posaunen“ (Diskant-, Alt, Tenor- und Bassposaunen), erlernten auf eigene Rechnung das Blasen und schenkten die Instrumente der Kirchgemeinde, „damit die Sache selbst Gott zu Ehren und hiesiger Kirche zum Ruhm gereiche“.
  • In Kittlitz gab sich 1817 der „Posaunistenchor“ einen eigenen, 46 Punkte umfassenden „Status des Musikchors“, um „a, den Namen Gottes sowohl selbst zu verherrlichen, als auch b, andere dazu zu ermuntern“.
  • 1995 fand der Archivpfleger und Leiter der Posaunenchöre im sächsischen Kirchenbezirk Löbau, im Schönau-Berzdorfer Archiv vier handgeschriebene Stimmhefte mit 150 Chorälen für Diskant-, Alt-, Tenor- und Bassposaune, die ab 1821 geführt wurden.
Der Text dieser Seite ist hauptsächlich aus zwei Quellen entnommen: dem Artikel „Posaunenchor“ in der WIKIPEDIA und den aktuellen und alten Seiten des EPiD.