Geschichte der Posaunenchöre

Posaunenchöre in der heutigen Form gibt es zwar erst seit knapp 170 Jahren, doch die Verwendung von Blechblasinstrumenten in der sakralen Musik gibt es bereits seit vorchristlicher Zeit. Nachfolgend ein Überblick über die Geschichte der neueren Zeit:


Erster Posaunenchor

Nach der Aufklärung mit ihrer starken Betonung der Vernunft wollte die Erweckungsbewegung bei den Menschen einen „lebendigen“, vom Herzen kommenden Glauben wecken. Dies geschah, indem man Menschen bei Zeltmissionen, Freiluftgottesdiensten und „erwecklichen“ Veranstaltungen direkt vor Ort ansprach. Die Posaunenchöre erwiesen sich als gute Möglichkeit, sowohl für diese Veranstaltungen Aufmerksamkeit zu erregen als sie auch musikalisch zu begleiten. Sie waren mobil einsetzbar, „lautstark“ und konnten durch Mauern hindurch auf die Erweckungsgottesdienste und Zeltmissionen aufmerksam machen. So entstanden im Minden-Ravensberger Land die ersten Posaunenchöre in den Gemeinden als „Einsatzkommandos“ für Veranstaltungen der Erweckungsbewegung, als ältester eigentlicher Posaunenchor der von Jöllenbeck im Jahre 1843.

Oder einfacher: Posaunenchöre sind als „mobile Orgeln“ vor gut 170 Jahren in den geistlichen Erweckungsgebieten Deutschlands entstanden. Damals bekehrten sich so viele Menschen zu Gott, dass die Kirchen zu klein wurden! Man zog ins Grüne hinaus, um dort „in Gottes freier Natur“ Missionsfeste und Gottesdienste zu feiern. Und weil man die Orgeln nicht mitnehmen konnte, besann man sich auf diese Bläsergruppen mit wetterfesten Instrumenten! Blockflötentrios und Streichquartette hatten sich weniger bewährt.


Kuhlo-Zeit

Pastor Eduard Kuhlo (1822–1891) und sein Sohn, der „Posaunengeneral“ und Reichsposaunenwart Johannes Kuhlo (1856–1941), gelten als die „Väter“ der westfälischen Posaunenchöre. Von Westfalen aus breiteten sich die Posaunenchöre in ganz Deutschland aus. Organisatorisch gehörten sie in den ersten Jahrzehnten den evangelischen Jünglingsvereinen (CVJM) an, die im „Reichsverband der evangelischen Jungmännerbünde Deutschlands“ zusammengeschlossen waren.

Man strebte eine Abgrenzung von den Militärblaskapellen an. Gleichwohl erfolgte eine „Anerkennung“ als Musik der Kirche teilweise unter großen Widerständen der tradierten Kirchenmusik. Das Hauptziel sah man zunächst in der Volksmission. Jahrzehntelang waren die Posaunenchöre von Kuhlos Klangideal geprägt, demzufolge der Klang der Bläser einem Vokalchor möglichst nahe kommen sollte. Deshalb wurden Hörner aller Art bevorzugt, während Trompeten und Posaunen verpönt waren. In Reinkultur konnte man das beim berühmten Kuhlo-Horn-Sextett sehen und hören.

Erst in der Nach-Kuhlo-Zeit (nach 1945) rückte man, unter Führung von Professor Wilhelm Ehmann und vom Neobarock beeinflusst, von dieser Auffassung ab.


Die Zeit nach Kuhlo

Von den Anfängen der Posaunenchorbewegung im 19. Jahrhundert bis zum Jahr 1933 waren die Posaunenchöre ganz selbstverständlich Teil der evangelischen Jungmännerarbeit. 1934 wurden sie unter dem Druck der politischen Verhältnisse aus den Jungmännerbünden ausgegliedert und zum „Verband evangelischer Posaunenchöre Deutschlands“ (VePD) zusammengeschlossen, womit eine Zwangsmitgliedschaft in der nationalsozialistischen Reichsmusikkammer verbunden war.

Nach 1945 spaltete sich die Posaunenarbeit in organisatorischer Hinsicht. In manchen Gebieten kehrten die Chöre zum CVJM bzw. Jungmännerwerk zurück (Württemberg und CVJM-Westbund unter Führung von Hermann Mühleisen). In den meisten, vor allem norddeutschen, evangelischen Landeskirchen wurden 1945 „Posaunenwerke“ gegründet, die sich zum Dachverband „Posaunenwerk der EKD“ zusammenschlossen. Daneben gab es auch selbständige Posaunenchorverbände (Bayern, Baden, Pfalz). Durch die deutsche Teilung wurden nach dem Mauerbau 1961 die Posaunenwerke in der DDR organisatorisch von den westdeutschen getrennt.

Erst nach Jahrzehnten, 1994, gelang es, einen einheitlichen Dachverband für alle 29 Posaunenwerke und -verbände im wiedervereinigten Deutschland zu gründen, den „Evangelischen Posaunendienst in Deutschland e. V.“ (EPiD) mit etwa 7.000 Posaunenchören und rund 120.000 Bläserinnen und Bläsern.


 

in biblischer Zeit die ersten Posaunenchöre Posaunenarbeit aktuell – der Posaunenchor Ebnat


 

Der Text dieser Seiten ist hauptsächlich aus zwei Quellen entnommen: dem Artikel „Posaunenchor“ in der WIKIPEDIA und den aktuellen und alten Seiten des EPiD.